Diese mediterranen Aperitivo-Klassiker sorgen für Urlaubs-Feeling
Die Länder rund um das Mittelmeer versprühen ein besonderes Flair. Das gilt auch für die Drinks und Destillate, die von Spanien bis Griechenland mediterrane Leichtigkeit einfangen und in Flaschen gebannt zu uns bringen. Wir verraten, welche lokalen Klassiker man unbedingt probiert haben muss.
Egal, ob in Barcelona, Marseille, auf Capri oder in Athen: Sobald sich der Tag dem Ende neigt, schlägt die Zeit des Aperitivo. In Spanien klirren die Gläser mit spritzigem Tinto de Verano (mit Zitronenlimonade gespritzter Rotwein) oder fruchtiger Sangría, in Frankreich trifft sich die Gesellschaft zum Apéritif – elegant, leicht und mit Stil. Auf dem Tisch landen ein kühler Pastis oder vielleicht auch ein fruchtiger Kir, dazu Oliven und Käsehäppchen. Italien dagegen feiert den Aperitivo wie ein eigenes Ritual mit Spritz, Negroni oder einem Glas Prosecco, begleitet von Antipasti und temperamentvoller Dolce Vita. Und in Griechenland? Dort geht es gemütlich zu: ein Gläschen Ouzo oder Tsipouro, serviert mit Mezedes, die nach Meer, Sonne und Urlaub schmecken. So unterschiedlich die Länder, so einig sind sie sich in einem Punkt: Der Aperitivo ist keine bloße Flüssigkeit im Glas, er ist ein authentisches Lebensgefühl. Ein Moment zwischen Tag und Nacht, zwischen Pflicht und Vergnügen, in dem pure Lebensfreude steckt – und das in jedem Land auf seine ganz eigene Weise. Zeit für eine liquide Reise entlang der mediterranen Küste.
Spanien: Vermouth und Gin & Tonic
Die Trinkkultur Spaniens ist vielfältig, in Sachen Aperitivo aber vor allem vom Wermut geprägt. Dieser erfreut sich einer wachsenden Beliebtheit, was man an den zahlreichen »Vermuterias« ablesen kann, die den aromatisierten Likörwein frisch gezapft als Aperitif servieren. Doch Spanien ist auch das Land des Gins und zählt zu den Vorreitern der modernen Gin-&-Tonic-Kultur – auch dank international erfolgreicher Marken wie Gin Mare. Sie haben es geschafft, Kreativität und regionale Zutaten neu zu kombinieren und eine eigenständige Trinkkultur zu entwickeln, die sich bis in den Aperitif-Bereich zieht, etwa mit Drinks wie dem Mare Limon (siehe Rezept). Hinzu kommen lokale Spezialitäten, die den Aperitivo aromatisch bereichern, etwa der Kräuterlikör Hierbas aus Mallorca, der nicht nur pur auf Eis, sondern auch als Cachaça-Substitut in einem Mojito bestens funktioniert.
Frankreich: Zwischen Anis und Cassis
Der wohl ikonischste Aperitif der französischen Mittelmeerküste wiederum ist der Anislikör Pastis, der seinen Siegeszug einst als legale Alternative zum 1915 verbotenen Absinth antrat. Kenner streiten sich hier gerne über die beste Machart des Likörs, die mal die eine oder andere Zutat wie Sternanis, Süßholzwurzel, Fenchelsaat und Kräuter wie Thymian oder Rosmarin fokussiert und vor allem auf regionalen Vorlieben beruht. Wer es authentisch möchte, greift wie ein echter Marseiller zu Ricard, gibt ordentlich Eis hinzu und löscht nach und nach mit etwas kaltem, stillem Wasser ab. Ebenso bekannte Klassiker, die auch heute noch serviert werden, sind einerseits der Kir, ein mit Crème de Cassis verfeinerter Champagner, oder auch der Capo Spritz, ein Aperitif auf Basis des korsischen Likörweins Mattei Cap Corse und spritzigem Casanova Moscato. Diese beiden prickelnden Urgesteine schlagen zudem die Brücke zur modernen Spritz-Kultur, die auch Frankreich erobert hat, wenngleich sie hier gern mit regionalen Produkten adaptiert wird. Ein gutes Beispiel ist der Grapefruit-Likör Pampelle, ein moderner Aperitivo von herb-fruchtiger Machart.
Italien: Kräuter und Zitronen
Das, was man heute nördlich der Alpen unter Aperitif-Kultur versteht, ist vor allem von einem Land geprägt: Italien. Spritz und Co. haben hier ihre Heimat und stehen für das ultimative Dolce Vita. Doch neben Aperol hat der italienische Aperitivo noch weitaus mehr auf Lager und ist zudem sehr regional geprägt. Besonders stolz ist man beispielsweise auf die erfrischenden Zitrusliköre. Final klären lässt sich der Ursprung des Limoncello zwar nicht, aber rund um Capri, Sorrent und Amalfi beansprucht man die Ehre, den Limoncello erfunden zu haben, besonders lautstark für sich. Tatsächlich stellt man ihn heute in großen Teilen des Landes von Sizilien bis Norditalien her und je nach Region kennt man ihn auch als »Limoncino«.
Mit noch größerem historischem Erbe kommen hingegen die Nachfolger der einstigen Klosterbitter, die Amari, daher. Seit dem Höhepunkt ihrer Entwicklung zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert haben zahlreiche Marken weltweite Bekanntheit erlangt, darunter Größen wie Fernet-Branca, Amaro Montenegro, Lucano, Caffo oder Averna. Klassisch werden sie sowohl als Aperitif als auch als Digestif genossen, oft auf Eis und garniert mit einer Zitronen- oder Orangenzeste. Mit Soda oder Prosecco gespritzt, verwandeln sie sich jedoch in einen perfekten Appetitanreger. Neben diesen Platzhirschen locken zudem lokale Besonderheiten, etwa auf Sardinien der Mirto, ein Likör aus Myrtenbeeren, oder aber der »Filu 'e Ferru«, eine lokale Grappa-Version aus Vernaccia-Trester. Seinen Namen verdankt er im Übrigen der historischen Methode, illegal gebrannten Tresterbrand in der Erde zu vergraben und die Stelle mit einem Draht zu markieren.
Kroatien bis Griechenland: Obstgärten und Ouzo
Pragmatische Trinkfreude findet man aber auch im östlichen Mittelmeer. Viele behaupten, in jedem richtigen kroatischen Haushalt liege mindestens eine Flasche selbstgebrannten Schnapses versteckt. Ob das stimmt, lässt sich freilich kaum verifizieren, doch Schnaps ist auch in Kroatien nicht gleich Schnaps und je nach Region werden unterschiedliche Liquids bevorzugt. Im Norden Istriens beispielsweise schwört man auf den »Biska«, ein mit weißen Misteln versetztes Destillat, das man gekühlt und auch mit einer Zitruszeste oder Kräutern garniert genießt. Weitaus populärer ist jedoch der süßlich-bittere »Pelinkovac«, der auf Basis von Mazeraten ausgewählter Kräuter hergestellt wird. Serviert auf Eis und zusammen mit einer Zitronenscheibe oder gern auch mit Cola oder Tonic hat er es zum beliebtesten Aperitivo Kroatiens gebracht. Seinem mediterranen Klima verdankt Kroatien aber auch eine lange Tradition des Obstanbaus. Dessen Erzeugnisse reichen von Feigen und Melonen über Maraska-Kirschen – der Basis des weltbekannten Maraschino aus Zadar – bis hin zu Äpfeln und natürlich Pflaumen, aus denen die vielleicht berühmteste kroatische Spirituose gewonnen wird: der Sljivovica.
Bewegt man sich jedoch weiter nach Griechenland, werden die Spirituosen und Aperitivos wieder deutlich frischer. Klarer Platzhirsch ist hierbei der Ouzo. In Griechenland ist er die mit Abstand beliebteste heimische Spirituose und fungiert anders als hierzulande vor allem als erfrischender Vorspeisenbegleiter. Serviert wird er hierfür klassisch auf Eis und im Verhältnis von etwa eins zu drei mit Wasser verdünnt. Sein populärstes Trinkritual ähnelt damit stark dem des französischen Pastis. In Nordgriechenland jedoch, wo es im Winter sehr kalt werden kann, genießt man Ouzo aber auch gern einmal als kleinen Schuss im kräftigen Kaffee. Und eine weitere Spezialität findet sich im Land der Hellenen: Auf Zypern liebt man den »Brandy Sour« auf Basis von dem vergleichsweise milden, zypriotischen Brandy. Einfach, klassisch und Mittelmeer pur!